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Biografiearbeit – sich selbst über die eigene Geschichte neu begegnen

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden


Die eigene Geschichte kann eine Kraftquelle sein

Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte in sich. Sie entsteht aus dem, was wir erleben, aus Beziehungen, Entscheidungen, Erfahrungen und Veränderungen. Vieles davon prägt uns, ohne dass wir es im Alltag bewusst wahrnehmen.


Gerade nach einer Erkrankung oder einer anderen einschneidenden Lebensphase kann der Wunsch entstehen, die eigene Geschichte einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nicht, um in der Vergangenheit zu bleiben. Sondern um besser zu verstehen, wer ich heute bin, was mich geprägt hat und was ich aus meiner Geschichte für meinen weiteren Weg mitnehmen kann.




Was ist Biografiearbeit?

Biografiearbeit bedeutet, sich bewusst mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen.

Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit zu bewerten, Schuld zu suchen oder alles noch einmal aufzuarbeiten. Es geht vielmehr darum, die eigene Entwicklung bewusster wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen.


Manchmal wird dadurch verständlicher, warum wir heute so denken, fühlen oder handeln, wie wir es tun. Manchmal entsteht ein neuer Blick auf eine Erfahrung, die uns lange beschäftigt hat. Biografiearbeit kann helfen, sich selbst besser zu verstehen, und dadurch neue Möglichkeiten für die Gegenwart und Zukunft zu entdecken.


Was in deiner Geschichte steckt

Unsere Lebensgeschichte besteht aus weit mehr als den Dingen, die schwierig waren. Da sind Fähigkeiten, die wir entwickelt haben. Menschen, die uns begleitet haben. Entscheidungen, die Mut gebraucht haben. Dinge, die wir ausprobiert und gelernt haben. Interessen, die uns Freude machen. Situationen, die wir gemeistert haben.


Deine Lebensgeschichte ist deshalb auch eine Geschichte deiner Ressourcen.

Manchmal geraten diese Ressourcen aus dem Blick, besonders dann, wenn Krankheit, Erschöpfung oder andere Belastungen viel Raum einnehmen. Sie wieder bewusst wahrzunehmen, kann helfen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die eigene Handlungsfähigkeit zu entwickeln.



Der Blick auf die eigene Geschichte kann dabei helfen, sie wiederzuentdecken:


Was kann ich gut?

Was hat mir schon früher geholfen?

Welche Menschen oder Beziehungen geben mir Halt?

Welche Erfahrungen haben mir Selbstvertrauen gegeben?

Was macht mich aus – auch unabhängig von meiner Erkrankung oder aktuellen Situation?


Vielleicht zeigt sich dabei auch ein roter Faden: ein Thema, eine Stärke, ein Wert oder eine Fähigkeit, die dich schon lange begleitet. Solche Entdeckungen können helfen, wieder mehr Zugang zu sich selbst zu finden.


Wendepunkte, Brüche und der rote Faden

Im Leben gibt es Momente, nach denen etwas anders ist als vorher. Eine Erkrankung kann ein solcher Wendepunkt sein. Aber auch eine berufliche Veränderung, eine Trennung, ein Verlust, ein Umzug oder der Beginn einer neuen Lebensphase können den eigenen Weg verändern.


Mit etwas Abstand kann es hilfreich sein, sich anzuschauen:

Was hat sich durch diese Erfahrung verändert?

Was ist geblieben?

Was habe ich über mich gelernt?


Die Erkrankung ist ein Teil deiner Geschichte, aber sie ist nicht deine ganze Geschichte.

Biografiearbeit kann helfen, diese verschiedenen Seiten wieder miteinander zu verbinden und den eigenen Weg nicht nur über das zu betrachten, was verloren gegangen ist. Gerade nach einer Erkrankung kann dieser Blick wichtig sein. Auch wenn sich körperlich oder im Alltag vieles verändert hat, gibt es weiterhin gesunde und funktionierende Anteile: Fähigkeiten, Beziehungen, Interessen, Wünsche und Ressourcen.



Eine kleine Übung aus der Biografiearbeit

Wie sieht dein bisheriger Lebensweg aus?

Du kannst deinen bisherigen Lebensweg einmal als Linie auf einem Blatt Papier darstellen. Vielleicht ist sie gerade. Vielleicht gibt es Kurven, Höhen und Tiefen, Umwege oder Abzweigungen.


Als nächstes markiere wichtige Ereignisse, schöne Erfahrungen, schwierige Zeiten und Wendepunkte – ganz spontan und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dann betrachte deinen Lebensweg und stell dir Fragen wie diese:


Was hat sich an diesem Punkt verändert?

Was hat mir damals geholfen?

Welche Stärke habe ich gebraucht?

Woran bin ich vielleicht gewachsen?

Was hat sich daraus entwickelt?



Es geht nicht darum, schwierige Erfahrungen nachträglich positiv zu bewerten. Vielmehr kannst du entdecken, was dich durch diese Zeiten getragen hat, welche Fähigkeiten dabei sichtbar wurden und was aus einer Erfahrung entstanden ist. So kann aus dem Blick zurück etwas für die Gegenwart entstehen. Der eigene Lebensweg wird zu einer Art Landkarte, auf der Ressourcen, Wendepunkte und persönliche Entwicklung sichtbar werden können.


Biografiearbeit und Resilienz

Gerade hier zeigt sich die Verbindung zwischen Biografiearbeit und Resilienz. Wenn wir erkennen, wie wir frühere Herausforderungen bewältigt haben und welche Ressourcen uns dabei zur Verfügung standen, können wir dieses Wissen auch für heutige Situationen nutzen.


Resilienz bedeutet nicht, dass schwierige Erfahrungen spurlos an uns vorbeigehen. Es geht darum, mit Veränderungen und Belastungen umgehen zu können, die eigenen Ressourcen zu kennen und Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Biografiearbeit kann dabei helfen, sich daran zu erinnern: Ich habe schon Erfahrungen gemacht, die mich gefordert haben. Ich habe Wege gefunden, damit umzugehen. Und ich kann daraus etwas für meinen weiteren Weg mitnehmen.


Biografiearbeit ist mehr als der Blick zurück

Der Blick auf die eigene Geschichte kann helfen, die Gegenwart bewusster wahrzunehmen und den eigenen weiteren Weg zu gestalten.


Was möchte ich bewahren?

Was darf sich verändern?

Was möchte ich wieder mehr in mein Leben holen?

Welche Grenzen möchte ich heute anders setzen?

Wo habe ich Handlungsspielräume?


Die eigene Geschichte lässt sich nicht verändern. Aber der Blick auf sie kann sich verändern, und damit manchmal auch der Blick auf die Gegenwart und Zukunft.

Vielleicht entdeckst du etwas wieder, das lange in den Hintergrund gerückt ist. Vielleicht erkennst du einen roten Faden. Vielleicht wird eine Stärke sichtbar, die du bisher gar nicht als solche wahrgenommen hast. Und vielleicht entsteht daraus ein nächster Schritt.


Biografiearbeit bei NARBENPOTENTIAL

Biografiearbeit ist für mich deshalb mehr als eine einzelne Methode. Sie ist ein wichtiger Bestandteil meiner ganzheitlich-integrativen Arbeitsweise. Ich betrachte nicht nur deine aktuelle Situation, sondern auch deine Geschichte, deine Erfahrungen und das, was dich heute trägt. Körper und Psyche, Gedanken und Gefühle, Beziehungen, Bedürfnisse und Ressourcen dürfen miteinander in Verbindung kommen.


Deine Geschichte darf Raum bekommen, mit allem, was war, was heute ist und was noch entstehen kann.






 
 
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