Die Geschichte hinter NARBENPOTENTIAL
Aktualisiert: vor 1 Tag
Wie aus Brüchen, Narben und Lebenslinien ein Name entstand
Manchmal entsteht ein Name nicht am Schreibtisch. Manchmal wächst er über Jahre – aus Erfahrungen, Gedanken, Begegnungen und Dingen, die einen nicht mehr loslassen. So war es bei NARBENPOTENTIAL. Der Name ist aus meiner eigenen Geschichte entstanden, aus meiner beruflichen Arbeit mit Menschen und aus meiner Leidenschaft für Biografiearbeit. Und aus einer Frage, die mich schon lange beschäftigt:
Was kann entstehen, wenn wir das, was uns im Leben widerfährt, nicht verstecken müssen, sondern ihm einen Platz in unserer Geschichte geben?

Auf der Suche nach Ausdruck
Während meiner eigenen Krebserkrankung und der intensiven Therapiezeit habe ich verschiedene kreative Möglichkeiten für mich ausprobiert. Besonders das intuitive Malen wurde für mich zu einer wichtigen Ausdrucksform. Ich habe mit Ton gearbeitet, mit Naturmaterialien. Dazu kamen verschiedene Schreibübungen, geführte Entspannungen und Visualisierungen.
Nicht alles hatte dabei einen bestimmten Zweck. Manches war einfach eine Möglichkeit, auszudrücken, was gerade da war, wenn Gedanken und Gefühle durcheinanderflogen und ich das Ganze nicht in Worte fassen konnte. Diese kreativen Erfahrungen haben mich durch meine eigene Therapiezeit begleitet und mir auf unterschiedliche Weise geholfen, mit dem umzugehen, was gerade war.
Dann begegnete mir Kintsugi
Irgendwann bin ich eher zufällig auf Kintsugi gestoßen. Und etwas daran hat mich sofort fasziniert.
Mit Biografiearbeit hatte ich schon lange Bilder wie Puzzle oder Mosaik verbunden: Viele einzelne Teile gehören zu einer Geschichte. Manche passen sofort zusammen, andere brauchen Zeit. Manche Teile sind schön, andere erzählen von schwierigen Erfahrungen. Erst im Zusammenspiel entsteht ein größeres Bild. Vielleicht hat mich Kintsugi auch deshalb so unmittelbar angesprochen.

Beim Kintsugi werden zerbrochene Keramikstücke nicht einfach entsorgt und durch etwas Neues ersetzt. Die einzelnen Teile werden behutsam wieder zusammengesetzt. Der Reparaturprozess geschieht in mehreren bewussten Schritten und braucht Zeit – mit Ruhephasen dazwischen.
Und dann passiert etwas, das mich besonders berührt hat:
Bruchkanten werden nicht versteckt. Sie werden hervorgehoben und mit Gold sichtbar gemacht.
Der Bruch wird nicht zum Makel, den man möglichst unsichtbar machen möchte. Er wird Teil des neuen Objekts. Die Bruchkanten werden gewürdigt, integriert und sichtbar. Für mich lag darin etwas sehr Wesentliches: Etwas darf zerbrochen sein und trotzdem wieder zu etwas Ganzem werden. Nicht indem die Spuren verschwinden, sondern indem sie Teil der neuen Gestalt werden.
Brüche und Narben haben mich schon lange beschäftigt
Dabei war die Beschäftigung mit Brüchen für mich gar nicht neu. Schon lange hatte ich mich beruflich und persönlich mit Brüchen im Lebenslauf beschäftigt und Menschen in Umbruchsituationen begleitet.
Und auch das Wort Narbe bekam für mich zunehmend eine andere Bedeutung.
Als Krankenschwester hatte ich mich schon früh besonders für den Bereich der Wundversorgung interessiert. Verbandwechsel waren für mich nie einfach nur eine medizinische Tätigkeit. Oft waren es gerade diese Momente, in denen Gespräche entstanden.

Mich interessierten die Geschichten hinter den Narben.
Was war passiert?
Was hatte dieser Mensch erlebt?
Welche Geschichte verbarg sich hinter dem, was auf der Haut sichtbar war?
Diese Begegnungen haben mich immer besonders berührt. Und irgendwann wurde mir bewusst: Es gibt nicht nur äußere Narben. Es gibt auch innere Narben. Spuren dessen, was wir erlebt haben.
Eine Sammlung von Worten
So begannen sich über längere Zeit verschiedene Worte miteinander zu verbinden: Brüche. Narben.
Spuren des Lebens. Lebenslinien. Bruchkanten.
Sie tauchten immer wieder auf und verbanden meine eigene Geschichte mit meiner beruflichen Arbeit und meiner Leidenschaft für Biografiearbeit. Denn Biografiearbeit beschäftigt sich für mich auch mit dem Gewordensein: mit Erfahrungen und Wendepunkten, mit Brüchen und Veränderungen, mit dem, was daraus entstanden ist, und mit der Frage, wie wir unseren weiteren Weg gestalten können.
Und dann entstand der Dreiklang
Irgendwann kamen die drei Worte dazu: Entdecken. Entfalten. Erleben. Sie beschreiben heute die Grundidee meiner Arbeit.
ENTDECKEN, was da ist: Erfahrungen, Bedürfnisse, Gefühle, Ressourcen, Zusammenhänge und das, was uns ausmacht.
ENTFALTEN, was in uns steckt: Möglichkeiten, Fähigkeiten, Selbstvertrauen und neue Perspektiven.
ERLEBEN, was daraus entstehen kann: ausprobieren, handeln, Grenzen setzen, neue Erfahrungen machen und den eigenen Weg gestalten.

Dabei bedeutet Erleben für mich mehr als Gestalten. In diesem Wort steckt Lebendigkeit. Es geht nicht nur darum, etwas zu planen oder zu verändern. Es geht darum, wieder in Kontakt mit dem eigenen Leben zu kommen, mit dem, was sich stimmig anfühlt, was Freude macht, was bewegt und was möglich ist.
Der Moment, in dem alles zusammenkam
Und dann gab es irgendwann diesen einen Moment. Ich wurde gefragt, welche Überschrift ich einem intensiven Jahr geben würde, das von meiner eigenen Krebserkrankung, den Behandlungen und manchen Tiefschlägen geprägt war – aber eben auch von dem Ergebnis, heute frei von Krebs zu sein.
Ich musste nicht lange überlegen: NARBENPOTENTIAL.
Plötzlich war dieses Wort da. Und auf einmal schien vieles zusammenzupassen:
die Narben, die sichtbar oder unsichtbar bleiben;
die Brüche und Wendepunkte, die zu unserer Lebensgeschichte gehören;
die Erfahrung, dass Genesung nicht geradlinig verläuft;
das Annehmen dessen, was ist;
die Verantwortung für den eigenen Weg;
die Erfahrung von Selbstwirksamkeit;
und die Frage, was trotz allem möglich ist und entstehen kann.
Was NARBENPOTENTIAL heute für mich bedeutet
NARBENPOTENTIAL bedeutet für mich nicht, dass aus jeder schmerzhaften Erfahrung automatisch etwas Schönes oder Wertvolles entstehen muss. Es bedeutet auch nicht, dass Narben verschwinden müssen. Sie dürfen sichtbar sein. Sie dürfen zu unserer Geschichte gehören.
Aber vielleicht können wir entdecken, was uns getragen hat, was in uns steckt und welche Möglichkeiten heute in uns liegen. Vielleicht können wir Brüche und Wendepunkte in unsere Lebensgeschichte integrieren, ohne uns auf sie reduzieren zu lassen. Vielleicht können wir wieder Zugang zu Teilen von uns finden, die durch Krankheit, Krisen oder Belastungen in den Hintergrund gerückt sind.
Und vielleicht entsteht daraus etwas Neues. Nicht unbedingt ein völlig neues Leben. Aber vielleicht ein Leben, das sich wieder mehr nach unserem eigenen Leben anfühlt.

Entdecken. Entfalten. Erleben.
Heute steht NARBENPOTENTIAL für genau diese Haltung: Entdecken, was dich trägt.Entfalten, was in dir steckt.Erleben, was möglich wird.
Deine Geschichte gehört zu dir. Mit ihren Höhen und Tiefen. Mit ihren Umwegen, Brüchen und Narben. Mit allem, was du erlebt hast und allem, was noch entstehen kann. Vielleicht liegt genau darin dein ganz persönliches NARBENPOTENTIAL.
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