Leben nach einer Krebserkrankung
Aktualisiert: vor 9 Stunden
Wenn die Behandlung vorbei ist und du deinen eigenen Umgang damit finden möchtest
Eine Krebserkrankung endet nicht unbedingt mit dem letzten Behandlungstermin. Auch wenn die medizinische Behandlung abgeschlossen ist, kann es eine Weile dauern, bis sich der eigene Körper, der Alltag und das Gefühl von Sicherheit wieder vertrauter anfühlen. Vielleicht bemerkst du, dass dein Körper anders reagiert als früher. Vielleicht bist du schneller erschöpft, nimmst bestimmte Körperempfindungen stärker wahr oder musst erst wieder herausfinden, was du dir zutrauen kannst. Und vielleicht gibt es Momente, in denen die Gedanken plötzlich wieder bei der Erkrankung sind – obwohl dein Alltag längst weitergeht.

Dann kann es hilfreich sein, ganz konkrete Möglichkeiten zu kennen, mit denen du dich selbst im Alltag unterstützen kannst. Nicht als fertige Lösung für alles. Sondern als kleine Werkzeuge, die dir helfen können, wieder mehr Einfluss darauf zu nehmen, wie du mit Gedanken, Gefühlen, körperlicher Anspannung und Unsicherheit umgehst.
1. Die eigenen Gedanken wahrnehmen
Unsere Gedanken beeinflussen, wie wir Situationen erleben und wie unser Körper darauf reagiert. Gerade nach einer Krebserkrankung können schnell Gedanken entstehen, wie:
Was, wenn das wieder etwas bedeutet?
Kann ich meinem Körper noch vertrauen?
Schaffe ich das wirklich?
Ich müsste doch eigentlich längst wieder belastbarer sein.
Solche Gedanken lassen sich nicht einfach abschalten. Und darum geht es auch nicht. Hilfreicher kann es sein, sie zunächst wahrzunehmen und zu erkennen: Was denke ich gerade und was macht dieser Gedanke mit mir? Manchmal lässt sich ein belastender Gedanke überprüfen und durch einen Gedanken ergänzen, der der eigenen Situation besser entspricht.
Zum Beispiel: „Ich weiß gerade nicht, was diese Veränderung bedeutet. Ich kann beobachten, was passiert, und mir Unterstützung holen, wenn ich sie brauche.“ So entsteht nicht künstlicher Optimismus. Vielmehr geht es darum, den eigenen Gedanken nicht automatisch ausgeliefert zu sein.
2. Über den Körper wieder Halt finden
Körperwahrnehmung und Entspannung können dich dabei unterstützen, wieder mehr bei dir anzukommen. Du kannst lernen, körperliche Empfindungen bewusster wahrzunehmen, auf deine Bedürfnisse zu achten und dir selbst mit mehr Achtsamkeit zu begegnen.
Eine einfache Möglichkeit ist eine Erdungsübung: Stell beide Füße bewusst auf den Boden und spüre den Kontakt zum Untergrund. Wie fühlt es sich an, getragen zu werden? Wie verteilt sich dein Gewicht? Kannst du für einen Moment wahrnehmen, dass du gerade hier bist?
Auch ein Bodyscan kann dabei unterstützen, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen – ohne sofort etwas verändern zu müssen.
Oder du probierst eine Atembeobachtung: Beobachte für einige Atemzüge deinen Atem. Nicht, um besonders tief oder „richtig“ zu atmen, sondern um wahrzunehmen: Wie atme ich gerade? Wo spüre ich meinen Atem?
Solche kleinen Übungen können dir helfen, aus dem Gedankenkreisen wieder stärker in den
gegenwärtigen Moment zu kommen. Auch das Erlernen von Entspannungsverfahren wie Progressiver Muskelentspannung oder Autogenem Training kann dich darin unterstützen, Körperempfindungen bewusster wahrzunehmen und Entspannung Schritt für Schritt zu erlernen.

Du möchtest Entspannung gezielt üben? In meinen Präventionskursen lernst du PMR und Autogenes Training kennen. Erste Einblicke in beide Verfahren findest du auch bei meinen Impulsen.
3. Wenn die Worte fehlen: kreative Wege nutzen
Manche Gefühle lassen sich nur schwer in Worte fassen. Vielleicht ist da Angst, Wut, Traurigkeit, Erleichterung oder eine Mischung aus allem. Vielleicht weißt du selbst noch gar nicht genau, was eigentlich in dir vorgeht.
Dann kann ein kreativer Zugang hilfreich sein. Ein Bild malen. Mit Farben experimentieren. Einen Satz aufschreiben. Mit Bildkarten arbeiten. Eine spontane Assoziation festhalten. Dabei muss kein „schönes“ Bild entstehen und auch kein fertiger Text. Es geht vielmehr darum, dem, was gerade in dir ist, eine äußere Form zu geben. Manchmal wird dadurch etwas sichtbar, für das zunächst keine Worte da waren. Und manchmal entsteht allein durch diesen Ausdruck ein bisschen Abstand zu dem, was sich innerlich sehr groß oder überwältigend anfühlt.
Kleine Werkzeuge können einen Unterschied machen
Gedanken bewusst wahrnehmen. Den Boden unter den Füßen spüren. Den Atem beobachten. Den eigenen Körper wieder kennenlernen. Etwas ausdrücken, wenn Worte fehlen. Es sind keine großen Lösungen. Aber solche kleinen, praxistauglichen Werkzeuge können dabei unterstützen, wieder mehr Selbstvertrauen zu entwickeln – in die eigenen Wahrnehmungen, in den eigenen Körper und in die eigenen Fähigkeiten, mit schwierigen Momenten umzugehen.

Coaching nach Krankheit
Hier kann auch ein Coaching nach Krankheit ansetzen. Gemeinsam schauen wir, was dich gerade belastet, welche Zugänge zu dir passen und welche konkreten Möglichkeiten dich im Alltag unterstützen können. Dabei können Gespräche und biografische Arbeit ebenso ihren Platz haben wie Körperwahrnehmung, Entspannungsverfahren, Atem- und Achtsamkeitsübungen oder kreative Methoden.
Du musst dabei nicht alles können und auch nicht alles ausprobieren. Entscheidend ist, herauszufinden, was dich persönlich unterstützt.
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